Stockholm Tag 4

Tag vier brach mit dem klingeln des Weckers an, schließlich wollten wir ja wissen, was der Zimmernachbar so gemacht hatte. Leider wurden wir enttäuscht - er blieb dem Frühstück fern. 

Nachdem wir das Warten aufgegeben hatten, setzten wir unseren Plan, den Fernsehturm zu besuchen, durch. Mit der U-bahn in die Stadt und weiter mit dem Bus, erreichten wir ihn schon bald. Mit einem Lift gehts auf die 30. Etage, wo man guten Kaffee trinken kann, während man einerseits einen Rundumblick über Rockholm und dessen Umland genießen kann, andererseits der chinesischen Botschaft in den Pool sieht. Die Aussicht ist wesentlich besser als mit Skyview, da man sich hier etwas ausserhalb der Stadt befindet und nicht mittendrin. 

Eine gute halbe Stunde später wollten wir zurück in die Stadt. Der Bus kam wie auf Kommando angefahren. Auf der Rückfahrt hatten wir sogar musikalische Begleitung, denn eine Polizeikapelle lief neben unserem Bus her und spielten fröhlich vor sich hin, zur Unterhaltung der Stockholmer. Vermutlich waren sie auf dem Weg zur Wachablöse beim Palast, auf alle Fälle gab es kein Patzer - weder beim marschieren noch beim spielen und weder der Verkehr noch der Regen brachte sie aus dem Takt.

Nun hatten wir eigentlich alles gesehen, was wir sehen wollten und beschlossen, aufgrund des Regens im Einkaufszentrum Zuflucht zu suchen. Es schien, als hätten wir das Hobby der Stockholmer gefunden - shoppen. Shoppen mit Freunden, der Familie, dem Partner bzw. der Partnerin. Hier fiel eines besonders auf: die Männer tragen den Frauen Unmengen an Einkaufstaschen hinterher, warten in der Umkleide, bringen andere Größen und schieben den Kinderwagen, manchmal sogar mit türkis lackierten Fingernägeln. Das ganze Erdgschoss gehört der Mode und dem Essen. Eine Reihe Restaurants zieht sich durch den Gang und alle Plätze sind voll, aber Coffee to go kriegt man trotzdem überall. Im Obergeschoss befinden sich weitere Restaurants. Die einzige männerfreundliche Abwechslung ist im Keller: der Mediamarkt und ob der besser als bei uns ist, sei dahin gestellt. Wir haben sogar das Glück, den Worst case einer Stockholmer Boutique mitzuerleben: Das Kartenlesegerät funktioniert nicht, plötzlich kann niemand mehr zahlen, Bargeld hat ohnehin niemand. Wir hatten genug gesehen fürs erste und wollten raus, doch der Regen und der Wind mitsamt des Temperaturabfalls trieb uns in den nächsten Laden - das teuerste Einkaufszentrum Schwedens, das NK. Stilvolles Design, alle namhaften Marken sind vorhanden, aber gut, Shopping ist nicht jedermanns Sache. 

 

Durch eine Unterführung gingen wir zurück in die Galleria und wollten uns ein wenig ausruhen und dem bunten Treiben zusehen. Hier fiel uns eine große Menschenmenge vor dem Dunkin Donuts auf. Wir gesellten uns dazu, Donuts sind schließlich immer gut. 

 

Wir gingen noch ein wenig herum, bis wir am Ende der Shoppinghalle ankamen und standen plötzlich vor einer Hausfront inmitten der Wand. Durch die Fenster war kaum was zu sehen, wir sahen nur, dass massig Leute an einem riesigen Kronleuchter vorbei hinein gingen. Das Haus entpuppte sich als ein weiteres Modegschäft, das mit verschiedenen dunkel ausgeleuchteten Räumen die Herzen der Stockholmerinnen erwärmte.

 

Bezüglich der Läden stellten wir Folgendes fest: In Modegeschäften wurden Kosmetikartikel verkauft, es gibt Unmengen an Frisören und Haarartikelläden und es werden an den unmöglichsten Stellen Süßigkeiten verkauft - in Schaukästen, aus denen man mit Schaufeln so viel in Tüten laden konnte, wie man wollte. 

Am Abend wollten wir im Hotel essen, weil wir von dem Wetter genug hatten und setzten uns in die Ausnahmsweise beleuchtete Bar. Als wir nach der Karte fragten, teilte man uns mit, dass die Küche geschlossen war, sie hätten keinen Koch. Wir fragten uns ernsthaft, wie das Hotel jemals 4 Sterne bekommen hatte. Wir bestellten anstelle des Essens einen Kaffee, der dermaßen bitter schmeckte, dass wir nachfragten, wie alt der war, er schmeckte nämlich verdächtig nach dem vom Frühstück. Die Rezeptionistin bot uns an, einen neuen zu machen, doch leider war auch der nicht besser.

 

 

Wir gingen zu unserem treuen 7/11 mit dem guten Kaffee und als wir wieder zurück kamen, fuhr ein Taxi vor. Wir freuten uns sehr, den Briten wieder zu sehen, schliesslich wollten wir wissen, inwieweit unsere Theorien stimmten. Er torkelte aus dem Taxi, offensichtlich um Geld zu holen. Als er dann das zweite Mal rein ging, sahen wir dann, dass er in ein anderes Stockwerk fuhr. Somit waren unsere Theorien bis auf weiteres wiederlegt, zumindest was die Party in unserem Nebenzimmer betraf.

Wir wollten noch was trinken, so zum Abschluss unserer Reise und setzten uns in die überraschenderweise nicht geschlossene und nicht leere Bar. Einen Kellner gab es nicht, die anderen Gäste gingen selbst zur Bar. Nach einer Weile schneite der Rezeptionist rein, grüßte und fröhlich und sperrte die Bar zu. Nichts zu trinken für uns Blogger.

Immerhin fragte man uns noch, ob wir die Musik noch brauchen, nachdem das Licht im halben Raum gelöscht wurde. Da wir nichts zu trinken hatten, brauchten wir auch keine Musik mehr.

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