Stockholm Tag 2

Die erste Nacht wies gleich ein paar Rätsel auf. Da war beispielsweise die Fernbedienung, deren Knöpfe fast alle deaktiviert waren, oder ein blickendes Licht, obwohl alle Lichter ausgeschalten waren. Nach kurzer Suche entpuppte sich das Licht als Fehlfunktion der Schreibtischlampe. Obwohl sie aus war, schien sie noch Strom zu bekommen und noch dazu hatte sie eine Temperatur, die für eine Lampe nicht gesund sein konnte. Also raus mit dem Stecker, der Feuerlöscher hing zwar neben der Tür, herausfordern wollten wir es aber nicht.

Trotz der extrem weichen Betten schliefen wir schnell ein. Morgens freuten wir uns dann auf das Frühstück, im Internet hatten dies alle in höchsten Tönen gelobt. Tatsächlich war es relativ umfangreich, jedoch war schon vieles leer, vermutlich waren wir einfach zu spät gekommen. Immerhin bekamen wir noch Kaffee, wobei dieser außergewöhnlich schlecht schmeckte, auch im Vergleich mit anderen Hotelfrühstücksbuffets.

Nun ging es hinaus in den prognostizierten Sonnenschein, in dem es nur ein klein wenig regnete. Zuerst mussten wir zur Touristeninformation um unsere Stockholm-Cards abzuholen. Wir beschlossen zu laufen, wir wollte ja was von der Stadt sehen. Mit google maps bewaffnet machten wir uns auf den Weg und stellten dabei einige Dinge fest: hier gab es viel Verkehr, viele Volvos, sehr viele Baustellen, stetigen Wind und einige Gruppen von jungen Leuten, die mit Kapitänsmützen auf den Köpfen durch die Gegend liefen. Schließlich erreichten wir ohne Umwege das Touristenzentrum, welches praktisch leer war. Der Herr der uns die Karten überreichte, erzählte uns schnell  wo wir was finden und machte uns im Besonderen auf die Bus und Schiffhaltestellen, die wegen Bauarbeiten gerade nicht angefahren wurden, aufmerksam.  Als wir hinausgingen, war der ganze Raum mit Leuten voll – gutes Timing. Als erstes wollten wir zum Vasa Museum. Hierzu mussten wir auf eine andere Insel, eine Straßenbahn dahin war gleich um die Ecke. Hier vielen uns noch mehr von diesen Teenies mit den Matrosenmützen auf. Mit der Bahn fuhren wir dann einige Stationen, stiegen aber aus, als eine Kontrolleurin kam, denn wir hatten die Karten noch nicht entwertet. Leider wussten wir auch nicht, wo man das machen konnte. Kurzerhand beschlossen wir, am Kanal entlang zu laufen. Unser stetiger Begleiter: der Wind. Wenn dieser mal kurz nachließ, war es direkt angenehm. Nach ca. 15 Minuten Fußmarsch kamen wir dann auf besagte Insel. Und die war voll mit Matrosenmützen. Laute Musik war weithin zu hören und Unmengen von diesen jungen Leuten tummelten sich vor einem Gebäude, in das sie hinein wollten. Als wir näher kamen, sahen wir, dass es sich hierbei um ein Restaurant handelte. Wir spekulierten, dass das vielleicht Maturanten waren, die ihre Zeugnisse da bekamen.

Im Vasa Museum standen wir dann vor dem einzigen komplett erhaltenen Kriegsschiff aus dem 18. Jahrhundert. Das Haus in dem es steht, wurde vermutlich darum herum gebaut. Mit etwas Respekt kann man das Schiff von ganz unten bis zum Mast auf 7 Etagen abklappern. So gut erhalten ist es deswegen, weil es auf seiner Jungfernfahrt bereits nach ein paar Meilen sank und noch in der Bucht liegen blieb. Man wollte eben den König beeindrucken, den Seitenwind hielt es nicht aus, dafür war es reich verziert - was soll man dazu noch sagen. 

Der Wind war nicht nur der Feind des Schiffs, sondern auch unserer. Er drehte und wendete, schwoll an und ab und machte Unterhaltungen zeitweise fast unmöglich und mit der Zeit wurde er regelrecht zermürbend. Nichtsdestotrotz wollten wir noch einige Dinge auf dieser Insel sehen – das Vergnügungsviertel Stockholms, das Skansen Freiluftmuseum und einen Park, der laut diversen Informationen sehr sehenswert war. Wir gingen also zur nächsten Station – Gröna Lund, die Vergnügungsmeile. Menschenleer, alles geschlossen, sogar das House of Nightmares, jedoch fanden wir einen Anlegepier, der belleuchtet war. Gut, machen wir eben die Royal Canal tour zuerst, die ist ja auch im Preis der Karte inbegriffen. Nach kurzer Wartezeit mit sehr viel Wind kam ein Boot, wir kamen durch die Kontrolle, nur war es nicht die Royal Canal tour, sondern ein Transfer zur nächsten Insel. Nun waren wir auf Gamla Stan, hier war die Altstadt. Nach kurzer Kaffeestärkung im Mac Donalds beschlossen wir, in der Richtung weiter zu gehen, da gab es nämlich den Ericsson Globe, auf den man in einer Kugel fahren konnte. Wir stießen auf ein großes, neumodisches Areal, das wie leergefegt war. Wir vermuteten kurz, dass alle Menschen die Stadt verlassen hatten und nur noch ein paar zurück geblieben waren, um den Schein zu wahren. Sky View war zu unserem Glück aber besetzt. Nach uns kamen noch einige Leute und schon bald wurden die Tore geöffnet. Wir wurden in ein Kino gelotst, indem das Areal mit der Arena und dem Globe und die Events beworben werden, schließlich darf man in die Glaskugel. Diese wird an Seilen 130 Meter hoch entlang des Globes gezogen und man hat einen freien Blick bis weit über Stockholm und das umliegende Land. Da fiel eines ganz besonders auf: Grün. Die ganze Stadt ist zwischen Bäumen, Wäldchen und Parks versteckt. Des Weiteren sieht man nichts, da Stockholm kaum höhere Gebäude hat, was bei diesem sturmartigen Dauerwind auch nicht verwunderlich ist. Wieder auf dem Boden wollten wir uns etwas zu trinken holen und gingen in das gegenüber gelegene Einkaufszentrum. Auch das war wie ausgestorben, viele Restaurants und Läden gar nicht beleuchtet, der Supermarkt im Keller aber schon. Zurück in der Altstadt, wo die Königsresidenz ist, wollten wir nun die richtige Bootstour machen. Es kam ein niedriges, flaches Boot an, das bequeme Polstersessel und ziemlich schmutzige Fenster hatte. Es gab eine Führung in 14 Sprachen, die relativ informativ ist, wenn man davon absieht, dass das Audiokabel gelegentlich einen Wackelkontakt hatte. Auf der Tour fährt man über den Absinkplatz der Vasa, um einige Unesco Weltkulturerben und um Gröna Lund. Inzwischen war geöffnet, das Ganze schien jedoch trotzdem nicht gut besucht. Motiviert und ausgeruht von der Tour wollten wir noch ins Freiluftmuseum. Eine Fahrt mit der Straßenbahn, diesmal bis ans Ende, und schon waren wir da. Noch immer war die ganze Gegend von diesen Kapitänskappenleuten gefüllt, inzwischen schienen sie schon deutlich betrunkener. Beim Museum angelangt machte man uns darauf aufmerksam, dass das Museum eigentlich geschlossen habe, wir aber rein können, weil ein Konzert stattfinden würde und ein Feuer zu Ehren der Walpurgisnacht geplant war. Wir wollten aber keine 2 Stunden mehr warten und fuhren zurück zum Hotel. Kurz überlegten wir, ob wir mit dem Bus 44 fahren sollten, weil wir glaubten, den in der Nähe unseres Hotels gesehen zu haben, nahmen dann aber doch lieber die Straßenbahn und dann die U-Bahn, nur um auf Nummer sicher zu gehen. In der Straßenbahn begegneten wir noch weiteren Kapitänsmützenmenschen, diesmal eine ganze Horde davon. Die jungen Männer verhielten sich ruhig, die Mädchen hingegen sangen erst laut vor sich hin. Als sie den Text nicht mehr wussten, begannen sie mit Sprechgesängen. Eine rief Bira, Bira, Bira, die anderen kreischten Pösch pösch pösch. Die anderen Leute begannen ihnen schon Sachen zuzurufen, der Schaffner bat freundlich um Mäßigung. Die Mädchen folgten seiner Bitte, vergaßen es aber schon bald wieder und grölten in voller Lautstärke weiter, während die Jungs in alle Richtungen schauten, nur nicht zu den Mädchen. Als wir dann von der U-Bahn Station zum Hotel liefen, fuhr Bus 44 an uns vorbei und wir freuten uns nur noch auf ein windstilles Zimmer.

Am Abend bekamen wir noch Lust auf einen Kaffee und wollten wieder zur Hotelbar, welche aber leider geschlossen hatte. Der Nachtportier brachte uns trotzdem unsere Getränke und wir sahen dem Treiben in der Lobby zu. Da war eine deutsche Reisegruppe, die nicht fähig war, dem Portier zu sagen, auf welchen Namen gebucht war, zwei andere wunderten sich, warum die Saune mitten in der Nacht nicht mehr offen hatte und der Father of the day vom Vortag kam mit einer Frau an, orderte 2 Flaschen Sekt, erzählte ihr von irgendwelchen Farben und verzog sich mit Sekt und Frau aufs Zimmer. Ihre Stimme war nicht dieselbe wie am Vortag im Skype. Father of the day war gleichzeitig Failhusband of the day.   

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