Stockholm - die Anreise

Morgens um Sieben oder halb Acht, wer weiß das schon noch so genau, begann die Reise mit dem Zug von Dornbirn über Bregenz nach Zürich und dann weiter mit der Swiss nach Stockholm. Monatelang haben wir uns schon auf diesen Tag gefreut, doch jedes Mal scheint man die Strapazen einer Anreise verdrängt zu haben, bis man wieder mitten drin steckt.


Gut gelaunt starteten wir die Reise von Dornbirn, nachdem wir uns im Sutterlüty mit Kaffee eingedeckt hatten. Die Jause für die Fahrt besorgten wir uns im Kloser, hierbei wurden wir von einer älteren Dame, welche anscheinend ziemliche Gelüste auf einen Leberkässemmel zu haben schien, beinahe umgerannt und wurden nicht gerade nett zur Seite buxiert.  Kurz waren wir drauf und dran uns aufzuregen, doch wir ließen uns nicht unseren alljährlichen Ausflug in eine fremde Stadt verderben, nein Vorfreude war jetzt angesagt.


Der Zug fuhr pünktlich ab, alles schien wie am Schnürchen zu laufen. Die zwei Mal Umsteigen funktionierten ebenfalls problemlos, ohne lange Wartezeiten. Zu schön um Wahr zu sein... Kurz nach der Abfahrt des Zuges zum Flughafen Zürich wurden unsere Zugtickets, welche wir Online über die ÖBB bestellt haben kontrolliert. Wie selbstverständlich reichten wir dem Schaffner die Fahrscheine. Lange betrachtete der Kontrolleur die Tickets, bis er darauf hinwies, dass auf beiden Tickets der selbe Name stand und unterstellte uns sogleich, dass wir ein Ticket doppelt Ausgedruckt hätten. Er wollte uns mit diesen Tickets nicht weiterfahren lassen. Während dem Gespräch bemerkte er jedoch die verschiedenen Auftragsnummern und lenkte ein. Zwar dürfe er uns eigentlich nicht weiterfahren lassen, aber da es sich um eine kurze Strecke handelt, mache er eine Ausnahme. Dennoch waren wir etwas irritiert, schließlich hatten wir bisher nie Probleme mit den online gebuchten Fahrtickets. Naja, das Problem war kurzfristig zwar gelöst, aber für die Rückfahrt mussten wir uns noch etwas überlegen.


Schließlich gelangten wir an den Flughafen, wo wir gleich unser Gepäck loswerden wollten. Wir steuerten direkt auf die Schlange mit Schild Baggage zu, wo uns eine gefrustete Dame sofort zurück schickte, wir sollen zum Automaten. Gut, wir stellten uns tapfer an und sahen, wie sich die Leute mit den Automaten abmühen, genau so wie ein Mitarbeiter, der gleichzeitig für alle da sein sollte. Als wir dran waren, fragten wir uns doch, was die anderen für Probleme hatten, so schwierig war es doch nicht. Nun kamen wir auch an der Dame vorbei, die diesmal auch freundlich lächelte. Gepäck ging aufs Fließband und wir konnten endlich unseren Weg zur Camel Lounge antreten. Schnell brachten wir die Sicherheitskontrollen hinter uns und erreichten unsere erste Zieletappe:



Die Zeit kam, sich zum Gate zu begeben. Wir bemerkten primär, dass eine Menge Kinder da waren. Kleine Kinder, die sich mit Schreien und Quengeln abwechselten. Hoffentlich würden wir am anderen Ende des Flugzeugs sitzen. Beinahe pünktlich öffneten sich die Tore, die Familien verschwanden und wir folgten. Bis ganz an das Ende Flugzeugs. Direkt hinter die Großfamilien. Abgesehen davon, dass sie alle blond waren, hatten sie wohl auch viel getrunken, denn sie besuchten das allgemein beliebte WC ca. alle 20 Minuten. Unser Sitznachbar unterhielt sich mit lauter Musik, die noch zwei Plätze weiter zu hören war, aber Bollywoodfilme müssen eben laut sein. Wir saßen also in der Kinderabteilung des Flugzeugs und warteten geduldig auf den Start, den der Pilot mit 15  Minuten Verspätung versprochen hatte. Der Steward, der früher mal der Bösewicht aus Terminator 2 gespielt hatte, revidierte das 30 Minuten später und meinte, es wären nur noch ein paar Minuten. Weitere Minuten mit Gerolle folgten und als wir wirklich starteten, hatten wir schon nicht mehr daran geglaubt. Ca. 2 Stunden später erreichten wir nach „minimalen“ Turbulenzen Stockholm. Wer Flugangst hat, sollte sich eher 3-mal überlegen, Arlanda anzufliegen, da hier Turbulenzen aufgrund der Meernähe an der Tagesordnung sind.

Nun galt es, zum Hotel zu kommen. Wir hatten vorab schon einen Transfer gebucht, ganz praktisch online, nur den QR Code im Bus an so ein Gerät halten. Besagter Bus ließ sich sofort finden, ebenso laut schreiende Taxifahrer und das mit dem Code klappte auf Anhieb. Die Fahrt sollte 45 Minuten dauern, was auch gut eingehalten wurde, trotz der unfassbar vollgestopften Autobahn. Beim Hauptbahnhof mussten wir noch in die U-Bahn. Der Ticketautomat überforderte uns, also kauften wir sie am Schalter und begaben uns in den Untergrund. Die Leute rannten kreuz und quer herum, die Bahnhöfe nicht unbedingt sauber, die Linie ließ sich trotzdem gleich finden. Kurz später stiegen wir schon wieder aus und machten uns bei Wind und Regen auf die Suche nach dem Hotel. Laut Wegbeschreibung sollte es 100 Meter von der Metro entfernt sein. Nur dumm, dass nicht da steht, welchen Ausgang man nehmen muss. Mit Hilfe von google maps lösten wir auch dieses Problem und erreichten das Hotel Elite Arcadia. 


Das Superior Zimmer entpuppte sich als 20 m² Raum, durchaus stilvoll eingerichtet, mit einem leichten Ikea touch, wie es sich für Schweden gehört. Was sich hingegen nicht gehörte, war das Bett – sehr schmal, sehr weich und vor allem nicht frisch bezogen. Der Vorbewohner des Zimmers hatte schwarze, kurze Haare, was sich auf den nicht mehr ganz weißen Laken gut erkennen ließ.

Inzwischen war es 18:30, wir waren fast 12 Stunden insgesamt auf dem Weg, wir wollten noch einen Spaziergang machen und dann chillen. Hinaus also in das Getümmel. Im 7eleven deckten wir uns mit Snacks und Kaffee ein und spazierten durch menschenleere Straßen. Wo das Auge hinfiel waren Tulpen, Bänke und kleine Parks, hin und wieder ein kleiner Wald. Wir setzten uns in einen Park, als es mal nicht regnete und betrachteten den Mond, während die Sonne strahlte. Als es wieder regnete, zückten wir unsere Sonnenbrillen, schließlich blendet die Sonne. In Stockholm nimmt man Aprilwetter noch wörtlich – nur dass sich die Witterungen nicht ändert, sondern alle gleichzeitig sind.

Im Hotel zurück wollten wir uns mit einem Kaffee wärmen und besuchten dazu die Hotelbar. Ein paar deutsche Geschäftsleute waren da, die Kellnerin sagte gerade, dass ihre Schicht zu Ende war, wir wurden ignoriert. Die Geschäftsleute gingen und wir waren alleine.



Der Nachtportier hatte aber schließlich Erbarmen mit uns und so kamen wir noch an unseren Kaffee. Nun kam ein Brite dazu. Er videofonierte mit seiner Familie und versuchte seiner Tochter zu erklären, dass er nicht Fangen spielen könne, weil er eben in Schweden wäre. Sie war ein bisschen enttäuscht und das konnte er nicht auf sich beruhen lassen – mit Skype auf dem Tablet kann man ja auch rumrennen und „Catched you“ rufen. Vater und Tochter hatten dabei so viel Spaß, dass es direkt ansteckend wirkte. Definitiv der Father of the day und wir begaben uns zur Ruhe.


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